Bring mir Jagdfang
Roman

Laurenz Mayer und Sybil Stettenbach reisen mit ihrem kleinen Sohn aus der Schweiz nach Lagos in Nigeria, um ein neues Leben zu beginnen. Während Laurenz seiner Tätigkeit als Berichterstatter der Oputa Panels (Human Rights Violations Investigation Commission) nachgeht, versucht Sybil sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Ihre ziellosen Ausflüge mit dem Chauffeur Dada führen sie mitten in das Chaos der Millionenmetropole Lagos. Doch das neue Leben zerbricht noch bevor es richtig begonnen hat.

(www.johannalier.com)

Critique

de Beat Mazenauer

Im Sommer 2001 zieht eine junge Schweizer Familie mit einem kleinen Kind in die nigerianische Metropole Lagos um. Drei Jahre zuvor war der Diktator Sani Abacha gestürzt worden. Der Mann, Laurenz, ist Teil einer Journalistengruppe, die die Hearings einer Wahrheitskommission beobachten und dokumentieren soll, um mitzuhelfen, dass die Verbrechen der Vergangenheit aufgearbeitet werden. Er wirft sich in seine Arbeit, derweil sich seine Frau Sybil, die Protagonistin des Romans, zu langweilen beginnt. In ihren einsamen Gedanken hegt sie Träume von einem Zentrum für Dichterinnen. Auf diese Weise wehrt sie sich dagegen, rundum behütet in einem gesicherten Haus zu leben. Eine grosse Expat-Party bringt etwas Abwechslung in den trägen Alltag, doch sie endet im berauschten Debakel. Laurenz wird erschossen – die Gründe dafür bleiben dunkel. Sibyls Träume zerplatzen, ihr Leben gleicht mehr und mehr dem der Einheimischen, die mit Trauer, Tod und Unglücksfällen zu leben gelernt haben.

Johanna Lier debütiert mit einem ambitionierten Stoff als Romanautorin. Europäische Expats und nigerianische Verhältnisse reiben sich gehörig aneinander, so dass sich die Funken irgendwann entzünden müssen. Die Autorin versucht, dieses Nebeneinander sichtbar zu machen, ohne ungehörig in die Welt der Einheimischen einzudringen.

Sie zeigt ihre Heldin als eine Fremde in der Fremde. Zum einen droht ihr Laurenz zu entgleiten, zum anderen wird sie von alten Geschichten um ihren toten Bruder Balthasar bedrängt.
Der Roman fokussiert auf Sybil, die unschlüssig auf der Suche nach ihrer Rolle, ihrem Leben, ihrem Selbstbewusstsein ist. Dabei gelingen der Autorin eindrückliche Passagen, die die Entfremdung der Protagonistin zeigen, die mal in Langeweile versinkt, mal in hektischem Aktivismus gerät und doch meist unerfüllt und unglücklich bleibt. Nur als Ganzes wollen diese ineinander spielenden Ebenen nicht optimal zu einer Einheit zusammenwachsen. Insbesondere in den emotionalen Reaktionen der Figuren macht sich nicht selten verwirrende Hektik breit, worunter ihre Charakterzeichnung leidet. Auch verrät der Text stilistische Schwächen. Das ist schade und nimmt dem Roman etwas von seiner Kraft, die in dem explosiven Stoff angelegt ist.