Note critique

Geschmack birgt Erinnerungspotenzial – nicht nur der einer in Tee getauchten Madeleine. Das schmale Bändchen mit den schönen »Pasta- Scanografien« benennt sechzig Gerichte, Getränke oder Desserts in kurzen Prosastücken, die alle auf eine Seite passen. Das kürzeste kommt gar mit vier Wörtern aus (»Nudeln so oder so«). Im Gedächtnis verbindet sich die Speise mit der Gemeinschaft, in der gegessen wurde: »VaterMutter«, »ein Kind und ein Kind« oder »Brüderlein und Schwesterlein«. Das Menu wechselt zwischen typisch schweizerisch (Fondue, Wähen, Zuger Kirschtorte) und französisch, österreichisch oder russisch. Rezepte werden keine mitgeliefert – weder für die Gerichte noch für die Lektüre. Probieren geht über alles.

(Ruth Gantert, Viceversa 8, 2014)